Wer über einen fremden Text schreibt, braucht Wendungen, die den eigenen Satz mit dem Text verbinden. Diese Bausteine sind erlernbar und lassen sich in jeder Textanalyse wiederverwenden. Sie leisten dabei Verschiedenes: Die einen sagen, wo im Text man sich befindet, die zweiten führen den Wortlaut mit, die dritten schliessen an etwas an, das schon dasteht.
Alle Beispiele und Übungen auf dieser Seite beziehen sich auf dieselbe kurze Textstelle.
Drei Sorten von Bausteinen
Jede Wendung besteht aus festen Wörtern und aus Stellen, die gefüllt werden. Die festen Wörter sind unten gelb markiert, alles andere kommt aus dem Text oder aus dem eigenen Satz. Klicke eine Wendung an, um sie in Anwendung zu sehen.
Textgrundlage
Ich legte den Zettel auf den Tisch und schob ihn zu ihr hinüber. Yara las ihn, faltete ihn einmal in der Mitte und schob ihn zurück. Dann stand sie auf, nahm ihre Jacke vom Stuhl und sagte, sie müsse los. An der Tür drehte sie sich noch einmal um und hob kurz die Hand.
Die Stelle verorten
Den Wortlaut mitführen
An einen Befund anschliessen
Klicke eine Wendung an. Sie erscheint hier gelb markiert in einem Satz über die Textstelle.
Im vorliegenden Text wird geschildert, wie eine Verabredung wortlos endet.
Gehört an den Anfang des Aufsatzes und wird danach nicht wiederholt. Sind Titel und Verfasser bekannt: «Im Roman «…» von … wird geschildert, wie …».
Die Stelle steht am Ende des Gesprächs.
Sagt, wo im Verlauf man sich befindet. Verlangt keinen Wortlaut, sondern eine Angabe zum Aufbau.
Der Abschnitt setzt ein mit «Ich legte den Zettel auf den Tisch».
Verortet und bringt zugleich ein Zitat. Eignet sich für den ersten Satz eines Abschnitts.
In Zeile 2 heisst es «faltete ihn einmal in der Mitte».
Zeilenangabe nur, wenn der vorgelegte Text nummeriert ist. Sonst «An dieser Stelle heisst es «…»».
Die Formulierung «faltete ihn einmal in der Mitte» erzeugt den Eindruck von Sorgfalt.
Die Wendung legt sich um das Zitat herum. Sie verlangt Wörter, die im Text tatsächlich stehen.
Der Text spricht von «hob kurz die Hand» und nicht von einer Umarmung.
Der zweite Teil nennt eine Möglichkeit, die der Text nicht gewählt hat. Erst dadurch wird der Wortlaut bemerkenswert.
Das Zurückschieben des Zettels steht im Kontrast zu dem Heben der Hand an der Tür.
Stellt zwei Beobachtungen zusammen und behauptet über ihre Bedeutung noch nichts.
Sie schiebt den Zettel zurück, ohne etwas dazu zu sagen. Das lässt sich lesen als Zurückweisung.
«Das» zeigt auf den Satz davor. Die Wendung braucht einen Vorgänger und steht deshalb nie zuerst.
Yara faltet den Zettel und schiebt ihn zurück. Damit wird signalisiert, dass sie keine Antwort geben will.
Auch «damit» zeigt zurück. Nach dem «dass» folgt, was aus dem Befund davor gemacht wird.
Der Text nennt Yaras Bewegungen einzeln und in der Reihenfolge, in der sie geschehen. Diese Wahl trägt dazu bei, die Langsamkeit der Szene zu betonen.
«Diese Wahl» setzt voraus, dass vorher benannt wurde, worin die Wahl besteht.
Wie die Bausteine ineinandergreifen
Die drei Sorten stehen selten allein. Ein üblicher Abschnitt beginnt mit einer Verortung, bringt dann den Wortlaut und schliesst daran an. In dieser Reihenfolge kann jeder Baustein voraussetzen, was der vorige geliefert hat.
Die dritte Sorte ist dabei an die beiden anderen gebunden. «Das», «damit» und «diese Wahl» sind Rückverweise, sie brauchen einen Satz vor sich, auf den sie zeigen können. Ein anschliessender Baustein steht deshalb nie am Anfang eines Abschnitts.
Merksatz: Verortende und wortlautführende Bausteine können für sich stehen. Anschliessende Bausteine brauchen einen der beiden vor sich. Welcher Baustein an welche Stelle gehört, hängt davon ab, was im Abschnitt schon dasteht.
Die Stelle steht am Ende des Gesprächs, kurz vor Yaras Aufbruch.
Verorten
Die Formulierung «faltete ihn einmal in der Mitte» erzeugt den Eindruck von Sorgfalt.
Den Wortlaut mitführen
Damit wird signalisiert, dass Yara den Zettel ernst nimmt, ohne auf ihn zu antworten.
Einen Befund anschliessen
Drei Sätze, drei Sorten, in der üblichen Reihenfolge. Der dritte Satz beginnt mit «Damit» und kann nur deshalb so anfangen, weil der zweite den Wortlaut geliefert hat.
Übungen
Übung 1: Welche Sorte ist das?
Ordne jeden Satz einer der drei Sorten zu.
1. Die Stelle steht am Ende des Gesprächs, kurz vor Yaras Aufbruch.
Richtig. Der Satz sagt, wo im Verlauf man sich befindet, und zitiert nichts.
Der Satz verortet. Er nennt keinen Wortlaut und verweist auf nichts zurück, sondern gibt die Position im Text an.
2. Die Formulierung «faltete ihn einmal in der Mitte» erzeugt den Eindruck von Sorgfalt.
Richtig. Der Wortlaut steht im Satz selbst, und der Satz kommt ohne Vorgänger aus.
Der Satz führt den Wortlaut mit. Das Zitat steht in ihm drin, deshalb braucht er nichts vor sich.
3. Damit wird signalisiert, dass Yara den Zettel ernst nimmt.
Richtig. «Damit» ist ein Rückverweis, der Satz setzt einen Vorgänger voraus.
Der Satz schliesst an. «Damit» zeigt auf etwas, das davorstehen muss.
4. Der Text spricht von «hob kurz die Hand» und nicht von einer Umarmung.
Richtig. Der Wortlaut steht im Satz, dazu die Alternative, gegen die er sich abhebt.
Der Satz führt den Wortlaut mit. Er nennt das Zitat und stellt ihm eine nicht gewählte Möglichkeit gegenüber.
Übung 2: Welcher Baustein gehört an diese Stelle?
Zu jeder Situation stehen drei fertige Sätze zur Wahl. Alle drei sind grammatisch richtig. Entscheide nach der Funktion, welcher an die beschriebene Stelle gehört.
1. Davor steht: «Yara liest den Zettel, faltet ihn und schiebt ihn zurück.» Sie wollen daran anschliessen.
Richtig. «Damit» schliesst an den Wortlaut an, der unmittelbar davorsteht.
Richtig wäre «Damit wird signalisiert, dass …». «Auffällig ist» kündigt eine Beobachtung an, «An dieser Stelle heisst es» kündigt ein Zitat an. Beides passt hier nicht.
2. Sie beginnen einen neuen Abschnitt. Davor steht nichts, worauf sich ein Rückverweis beziehen könnte.
Richtig. Der Baustein führt seinen Gegenstand selbst mit und braucht deshalb keinen Vorgänger.
Richtig wäre der Satz mit «Der Abschnitt setzt ein mit «…»». Die beiden anderen sind anschliessende Bausteine und können nicht am Anfang stehen.
3. Sie wollen zeigen, dass der Text eine bestimmte Formulierung wählt und eine naheliegende andere vermeidet.
Richtig. Nur diese Fassung nennt den Wortlaut und die Alternative, gegen die er sich abhebt.
Richtig wäre «Der Text spricht von «…» und nicht von …». Nur diese Fassung nennt den Wortlaut, die beiden anderen fassen zusammen.
4. Sie wollen zwei Beobachtungen aus dem Text aufeinander beziehen, ohne sie schon zu deuten.
Richtig. Beide Beobachtungen sind benannt, und der Satz behauptet noch nichts über ihre Bedeutung.
Richtig wäre die Fassung, die beide Beobachtungen nennt. Die beiden anderen sprechen von einem Kontrast, ohne zu sagen, zwischen welchen Stellen er besteht.
Am eigenen Aufsatz arbeiten
Für eine Rückmeldung kannst du den folgenden Prompt zusammen mit deinem Abschnitt und der Textstelle verwenden.
Prompt
Du gibst mir Rückmeldung zu einem Deutschaufsatz am Gymnasium. Ich schicke dir zwei Dinge: erstens die Textstelle, über die ich schreibe, zweitens einen Abschnitt aus meiner Textanalyse.
Ich arbeite mit drei Sorten von Wendungen, mit denen man sich auf einen Text bezieht:
VERORTEN sagt, wo im Text man sich befindet („Im vorliegenden Text wird geschildert, wie …“, „Die Stelle steht am Ende von …“, „Der Abschnitt setzt ein mit …“).
WORTLAUT bringt Wörter aus dem Text in meinen Satz („Die Formulierung … erzeugt den Eindruck von …“, „Der Text spricht von … und nicht von …“, „X steht im Kontrast zu Y“).
ANSCHLUSS knüpft mit „das“, „damit“ oder „diese Wahl“ an den Satz davor an („Das lässt sich lesen als …“, „Damit wird signalisiert, dass …“, „Diese Wahl trägt dazu bei, … zu betonen“).
Gib mir die Rückmeldung in genau diesen vier Teilen:
1. LISTE. Führe jeden Satz meines Abschnitts einzeln auf, in der Reihenfolge, in der er dasteht. Zitiere jeweils die ersten fünf Wörter und schreibe dahinter VERORTEN, WORTLAUT, ANSCHLUSS oder KEINE.
2. ANSCHLÜSSE. Nimm jeden Satz, den du mit ANSCHLUSS bezeichnet hast, und sage, auf welchen vorangehenden Satz sich „das“, „damit“ oder „diese Wahl“ bezieht. Zitiere diesen Satz mit seinen ersten fünf Wörtern. Wenn du keinen findest, schreibe das hin.
3. FEHLENDES. Beantworte beide Fragen mit einem Satz. Steht irgendwo im Abschnitt, an welcher Stelle des Textes ich mich befinde? Kommt irgendwo ein wörtliches Zitat aus der Textstelle vor?
4. EIN SCHRITT. Nenne genau eine Änderung, die ich als Nächstes machen sollte, und sage, an welcher Stelle im Abschnitt. Nenne nicht mehrere.
Regeln: Schreibe keine verbesserten Sätze für mich, auch nicht als Vorschlag. Beurteile nicht, ob meine Deutungen zutreffen, das ist hier nicht das Thema. Erfinde keine Probleme; wo etwas in Ordnung ist, schreibe „in Ordnung“.
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