Keine Kommas vor Prädikaten

Wer einen langen Satz schreibt, spürt beim Lesen Pausen. Diese Pausen verleiten dazu, Kommas zu setzen. Aber im Deutschen richtet sich die Kommasetzung nach syntaktischen Strukturen, nicht nach Atemstellen.

Merksatz: Satzglieder werden nicht mit Kommas abgetrennt.
Was ist ein Satzglied?

Satzglieder sind die Bausteine des Satzes. Man erkennt sie an der Verschiebeprobe: Alles, was gemeinsam an eine andere Stelle rücken kann, ohne den Satz zu zerstören, bildet ein Satzglied.

Die wichtigsten Satzglieder:

  • Subjekt (wer oder was?): Der Autor beschreibt die Szene.
  • Prädikat (was tut das Subjekt?): Der Autor beschreibt die Szene.
  • Objekt (wen? was? wem?): Der Autor beschreibt die Szene.
  • Adverbial (wo? wann? wie?): Im ersten Kapitel schildert der Erzähler die Verhaftung.

Ein Satzglied kann aus mehreren Wörtern bestehen: Der im Roman beschriebene junge Held ist ein einziges Satzglied (Subjekt). Zwischen Satzgliedern steht kein Komma.

Typische Fehler

Das unberechtigte Komma vor dem Prädikat tritt besonders häufig auf, wenn ein langes oder ungewöhnlich platziertes Satzglied vorausgeht.

FALSCH

Der im Roman beschriebene Held, kämpft gegen eine namenlose Bürokratie.

RICHTIG

Der im Roman beschriebene Held kämpft gegen eine namenlose Bürokratie.

Das Subjekt kann noch so umfangreich sein: Zwischen ihm und dem Prädikat steht kein Komma.

FALSCH

Im ersten Kapitel, schildert der Erzähler die Verhaftung.

RICHTIG

Im ersten Kapitel schildert der Erzähler die Verhaftung.

Vorangestellte Adverbiale (Zeit, Ort, Art und Weise) werden nicht durch ein Komma vom Prädikat getrennt.

FALSCH

Das Thema der Schuld, behandelt Kafka in mehreren Szenen.

RICHTIG

Das Thema der Schuld behandelt Kafka in mehreren Szenen.

Das vorangestellte Objekt (OVS-Stellung) ist ein Satzglied wie jedes andere und erhält kein Komma.

Abgrenzung: Wann steht ein Komma?

Zwei Fälle sehen ähnlich aus, sind aber grammatisch verschieden:

Apposition (Komma berechtigt)

Der Held, ein junger Kaufmann, betritt die Stadt.

Die Apposition ist ein eingeschobener Nominalausdruck, der das vorangehende Nomen näher bestimmt. Sie wird durch zwei Kommas eingerahmt.

Relativsatz (Komma berechtigt)

Der Autor, der 1924 starb, vollendete den Roman nicht.

Nebensätze werden durch Kommas vom übergeordneten Satz getrennt. Ein Relativsatz enthält ein Verb; er ist kein Satzglied, sondern ein vollständiger Nebensatz.

Enthält der Einschub ein Verb, ist es ein Nebensatz. Fehlt das Verb und benennt er das vorangehende Nomen um, ist es eine Apposition. In beiden Fällen stehen Kommas um den Einschub. Ein gewöhnliches Satzglied ohne solchen Einschub erhält kein Komma.

Übungen

Übung 1: Fehlerkommas markieren

Klicke auf alle Kommas, die falsch gesetzt sind. Nicht jedes Komma im Text ist ein Fehler.

Der Protagonist des Romans, heisst Josef K.

Er arbeitet, wie er es seit Jahren gewohnt ist, in einer Bank.

Eines Morgens, wird er ohne Begründung verhaftet.

Das Verfahren gegen ihn, bleibt vollständig undurchsichtig.

Übung 2: Komma oder kein Komma?

Wähle für jede markierte Stelle aus: Komma (,) oder kein Komma (–).

Im zweiten Kapitel besucht Josef K. das Gericht.

Die zentrale Frage des Romans bleibt bis zum Schluss offen.

Der Held ein junger Mann aus der Stadt, betritt die Bühne.

Das lange und zähe Verhör endet ohne Ergebnis.

Kafkas Protagonist der nie versteht, was ihm vorgeworfen wird, scheitert an der Bürokratie.

Übung 3: Kommasetzung beurteilen

Beurteile die Kommasetzung in den folgenden Sätzen: richtig oder falsch?

Die Erzählung, beginnt mit einer rätselhaften Szene.

Der Autor des Romans, Franz Kafka, schrieb den Text zwischen 1914 und 1915.

Das Motiv der Schuld, zieht sich wie ein roter Faden durch den Text.

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