DIE KORREKTE STILEBENE VERWENDEN

Manche Fehler in Aufsätzen sind gar keine Grammatikfehler. Fast jeder betroffene Satz wäre in einem Gespräch völlig in Ordnung; er steht nur am falschen Ort. Über einen Text zu schreiben verlangt ein anderes Register als über ihn zu reden. Wer schreibt, wie er spricht, landet auf der falschen Stilebene.

Selbstkontrolle: Fragen Sie sich bei jedem Satz: Würde ich das so schreiben, oder nur sagen? Klingt der Satz, als würden Sie ihn jemandem mündlich erzählen, ist er wahrscheinlich zu umgangssprachlich.

Wenden Sie die Probe auf die folgenden Sätze an und vergleichen Sie mit der schriftlichen Fassung.

Der Freund findet die ganze Situation doof.

Der Freund missbilligt die ganze Situation.

Die Halle war halt zu stickig, und dann hat er einfach eine Panikattacke bekommen.

Weil die Halle zu stickig war, bekam er eine Panikattacke.
Die Füllwörter «halt», «dann» und «einfach» fallen weg; «weil» stellt den Zusammenhang klar her.

Czentovic trägt teure Klamotten, um gebildet zu wirken.

Czentovic trägt teure Kleidung, um gebildet zu wirken.

Mündliche Wörter und Füllwörter

Ein Teil des Wortschatzes gehört ins Gespräch, nicht in den Aufsatz: doof, Klamotten, Zeug, kriegen, reinhauen. Diese Wörter sind nicht falsch, aber zu salopp für einen argumentativen Text. Dazu kommen die Füllwörter, die man beim Reden einstreut, um Zeit zu gewinnen oder Zustimmung zu suchen: ja, eben, halt, einfach, total, voll. Im Gespräch tragen sie eine Funktion; geschrieben sind sie leer und lassen sich meist ersatzlos streichen.

Man merkt halt einfach, dass er total überfordert ist.

Man erkennt, dass er überfordert ist.
Alle Füllwörter fallen weg; «merkt» wird zum präziseren «erkennt».

Saloppe Bewertung

Über einen Text urteilt man distanziert und begründet, nicht gefühlsnah wie im Gespräch. Saloppe Bewertungen wie doof, cool oder feste Redensarten wie koste es, was es wolle wirken im Aufsatz unpassend. An ihre Stelle tritt eine sachliche Einschätzung, die sich am Text belegen lässt.

Der Erzähler findet die ganze Sache doof und sucht trotzdem weiter Freunde, koste es, was es wolle.

Der Erzähler steht der Situation kritisch gegenüber und sucht dennoch beharrlich weiter Freunde.
Aber Vorsicht: Schriftlich heisst nicht geschwollen. Wer jedes Wort durch ein möglichst gelehrtes ersetzt, landet im Wortsalat: «Der Erzähler vollzieht eine kritische Positionierung gegenüber der Gesamtsituation.» Das ist nicht besser, sondern schwerer lesbar.

Übungen

Übung 1: Schreiben oder nur sagen?

Beurteile, ob der Satz für einen argumentativen Text passend (schriftlich) oder zu umgangssprachlich (mündlich) ist.

1. Czentovic wirkt in dieser Szene überfordert und hilflos.

2. Der Freund findet die ganze Situation einfach total doof.

3. Er trägt teure Klamotten, damit er reich rüberkommt.

4. Der Erzähler beurteilt Czentovic kritisch, ohne ihn genauer zu kennen.

5. Er gibt einfach nicht auf, koste es, was es wolle.

Übung 2: Die passende schriftliche Fassung wählen

Wähle die Formulierung, die den mündlichen Satz sachlich und klar wiedergibt, ohne ins Geschwollene zu kippen.

1. Mündlich: «Man merkt halt, dass er total überfordert ist.»

2. Mündlich: «Der Freund findet die Sache doof.»

3. Mündlich: «Er trägt teure Klamotten, um gebildet zu wirken.»

Übung 3: Mündliche Stellen finden

Der folgende Text enthält sechs markierte Stellen. Klicke auf die, die zu umgangssprachlich sind. Drei sind zu mündlich.

Der Erzähler beobachtet, wie Czentovic überfordert und hilflos wirkt. Man merkt halt einfach, dass er die Partie zu verlieren droht. Trotz seiner teuren Klamotten bleibt er der Bauernjunge von früher. Der Freund findet das alles ziemlich doof. Der Erzähler dagegen beurteilt ihn zurückhaltender und will ihn näher kennenlernen.

Nach dem Überprüfen: grün = richtig erkannt, rot = fälschlich markiert, gelb = übersehen.

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