SAGEN, WAS MAN SAGEN MÖCHTE

Sie wissen, was Sie sagen wollen. Ob es dasteht, ist aber eine andere Frage. Das Problem: Beim Wiederlesen fällt Ihnen das kaum auf, weil Sie den Gedanken ja kennen und ihn beim Lesen stillschweigend ergänzen. Es gibt aber eine Möglichkeit, zu prüfen, ob man sagt, was man sagen möchte.

Den Satz gegen die einfache Fassung halten

Sagen Sie sich zuerst in Alltagssprache, was Sie behaupten wollen, so wie Sie es einem Mitschüler sagen würden. Lesen Sie dann Ihren geschriebenen Satz. Die Frage lautet nicht, ob er gut klingt. Sie lautet, ob er dasselbe sagt.

Das wollte ich sagen

Das gilt auch in anderen Fällen.

So würde man es einem Mitschüler sagen.

Der erste und der dritte Kasten sagen nicht dasselbe. Sie merken es nicht, weil Sie den Gedanken kennen. Ihre Leserin liest, was dasteht.

Merksatz: Sagen Sie sich zuerst in Alltagssprache, was Sie behaupten wollen. Halten Sie dann Ihren geschriebenen Satz daneben und fragen Sie sich, ob er dasselbe sagt. Die einfache Fassung ist der Prüfstein, nicht das Ziel: Sobald Sie wissen, was Sie meinen, dürfen Sie es so genau und so anspruchsvoll ausdrücken, wie es die Sache verlangt.

Oft liegt das Problem an einer einzelnen Wendung, die man von irgendwoher kennt und die ungefähr zu passen scheint. Man greift danach, weil man „gut“ schreiben will. Aber sie passt doch nicht ganz.

Statt

Ich stehe nämlich auch mit der gleichen Meinung.

Besser

Das sehe ich auch so.

Der ganze Gedanke ist Zustimmung. Die aufwendigere Wendung gibt es so nicht, und deshalb sagt sie ihn auch nicht.

Statt

Ist es aber sinnvoll, während einigen Situationen die Wahrheit nicht zu sagen?

Besser

Ist es in bestimmten Fällen sinnvoll, die Wahrheit nicht zu sagen?

Gemeint sind einzelne Fälle. Geschrieben steht, dass etwas gleichzeitig zu diesen Situationen abläuft.

Statt

Noten sind etwas, was überall auf der Welt benutzt wird.

Besser

Noten werden auf der ganzen Welt verwendet.

Die Aussage stand erst am Ende des Satzes. Der Anfang hielt ihr nur den Platz frei.

Wenn Sie sich die einfache Fassung sagen wollen und Ihnen selbst nichts Genaues einfällt, dann ist der Gedanke noch nicht fertig. Dann fehlt etwas, und der Text muss länger werden statt genauer. Darum geht es unter Gedanken ausformulieren.

Training

Übung 1: Sagt der Satz, was gemeint war?

Oben steht jeweils, was gesagt werden sollte, darunter der geschriebene Satz. Entscheiden Sie, ob der Satz diese Absicht trägt. Bei einigen Sätzen lautet die Antwort ja.

Das wollte ich sagen

Das gilt auch in anderen Fällen.

Das habe ich geschrieben

Dieser Punkt kann auch in anderen Situationen wieder gespiegelt werden.

Sagt es nicht. Der Satz behauptet, dass der Punkt irgendwo abgebildet werde. Gemeint war, dass er auch dort zutrifft.

Das wollte ich sagen

Noten gibt es überall auf der Welt.

Das habe ich geschrieben

Noten werden auf der ganzen Welt verwendet.

Sagt es. Absicht und Satz decken sich, hier ist nichts zu tun.

Das wollte ich sagen

Ich bin auch dieser Meinung.

Das habe ich geschrieben

Ich stehe nämlich auch mit der gleichen Meinung.

Sagt es nicht. Die Wendung gibt es so nicht, und mit „nämlich“ behauptet der Satz zusätzlich, die Zustimmung sei der Grund für die Behauptung der anderen.

Das wollte ich sagen

Wer die eigenen Stärken kennt, weiss eher, welcher Beruf passt.

Das habe ich geschrieben

Unsere Stärken und Schwächen zeigen, welche Berufe zu uns passen.

Sagt es. Der Satz benennt genau den Zusammenhang, um den es geht.

Das wollte ich sagen

Ich frage mich, ob es in manchen Fällen sinnvoll ist, die Wahrheit nicht zu sagen.

Das habe ich geschrieben

Ist es aber sinnvoll, während einigen Situationen die Wahrheit nicht zu sagen?

Sagt es nicht. „Während“ behauptet, dass etwas gleichzeitig zu diesen Situationen abläuft. Gemeint waren einzelne Fälle.

Übung 2: Welche Fassung sagt es?

Oben steht, was gesagt werden soll. Wählen Sie die Fassung, die genau das sagt. Alle drei Möglichkeiten sind einwandfreie deutsche Sätze, und alle drei behaupten etwas.

Das soll gesagt werden

Das gilt auch in anderen Fällen.

Richtig ist die zweite Fassung. Die erste behauptet, der Punkt werde irgendwo abgebildet. Die dritte behauptet, er komme mehrfach vor. Gemeint war, dass er auch dort zutrifft.

Das soll gesagt werden

Welcher Beruf passt, hängt von den eigenen Stärken und Schwächen ab.

Richtig ist die erste Fassung. Die zweite sagt nur, dass wir etwas sehen, und lässt offen, was womit zusammenhängt. Die dritte dreht die Sache um, dort bestimmen die Berufe unsere Stärken.

Das soll gesagt werden

Noten werden überall auf der Welt eingesetzt.

Richtig ist die dritte Fassung. Die erste kommt auf demselben Umweg ans Ziel und braucht dafür doppelt so viele Wörter. Die zweite behauptet etwas anderes, nämlich dass Noten einen Zweck erfüllen.

Am eigenen Aufsatz arbeiten

Kopieren Sie den Prompt und fügen Sie ihn zusammen mit einem Ausschnitt aus Ihrem eigenen Text in einen KI-Chat ein. Der Prompt ist so gebaut, dass die KI Ihre Sätze wörtlich liest und Sie fragt, statt sie umzuschreiben. Die Arbeit bleibt bei Ihnen, weil nur Sie wissen, was Sie sagen wollten.

Prompt
Ich gebe dir einen Ausschnitt aus meinem eigenen Aufsatz. Gehe ihn Satz für Satz durch und sage mir bei jedem Satz in Alltagssprache, was er behauptet, so wie er dasteht. Nimm dabei ausdrücklich nicht an, was ich wahrscheinlich gemeint habe. Lies wörtlich. Schreibe nichts um und schlage nichts vor. Frage mich bei jedem Satz, ob das meine Absicht war, und warte meine Antwort ab. Erst wenn ich dir sage, dass ein Satz etwas anderes sagt als gemeint, zeigst du mir eine Fassung, die meine Absicht trifft. Hier ist mein Ausschnitt:

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